Gegenwartsliteratur aus ÖsterreichWien

Porträt

Karoline Cvancara: Leben, Arbeit und Veröffentlichungen

Eine Autorin, die über den Journalismus zur Literatur kam, und die mit 19 Jahren eine Zeitschrift gegründet hat.

IVom Musikjournalismus zur Prosa

Karoline Cvancara wurde 1974 in Wien geboren, hat Publizistik, Musikwissenschaften und Psychologie studiert und lebt in der Wiener Josefstadt. Zehn Jahre lang hat sie als Musikjournalistin gearbeitet.

1993 gründete sie die Jazz-Zeitschrift Jazz & More. Wer sich die Jahreszahl neben das Geburtsjahr legt, sieht, dass sie damals neunzehn war. Eine Zeitschrift für ein Nischenpublikum in diesem Alter zu gründen sagt mehr über eine Arbeitshaltung als die meisten späteren Stationen.

Literarisch veröffentlicht sie seit 2002, zunächst in Zeitschriften wie Dum, Wienzeile und &Radieschen.

IIZwei Romane und ein Debüt davor

2006 erschien ihr erster Roman, Schlaflos, bei VIZA edit. Neun Jahre später folgte Am Tiefpunkt genial, 2018 dann Horak hasste es, sich zu ärgern.

Drei Bücher in zwölf Jahren ist ein Tempo, das im österreichischen Literaturbetrieb weder auffällig langsam noch schnell ist. Es entspricht dem, was neben einer Erwerbsarbeit realistisch bleibt, und beschreibt die Lage der meisten Schreibenden in diesem Land besser als jede Statistik.

Sie ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung.

IVWas der Journalismus hinterlässt

Zehn Jahre Musikjournalismus sind eine lange Schule, und sie hinterlässt Spuren, die sich benennen lassen. Journalistinnen lernen, unter Zeitdruck zu schreiben, sich auf ein Gegenüber einzustellen und einen Text nach einer Absage neu zu bauen, statt ihn zu verteidigen.

Die Gründung einer eigenen Zeitschrift kommt dazu. Jazz & More entstand 1993, und wer ein solches Blatt macht, kalkuliert Druckkosten, wirbt Anzeigen ein und redigiert fremde Texte. Das sind Fähigkeiten, die im Literaturbetrieb nützlicher sind, als ihm lieb ist.

Studiert hat sie Publizistik, Musikwissenschaften und Psychologie. Auch diese Kombination passt zu jemandem, der lange über Musik geschrieben hat, bevor die eigenen Texte an die Reihe kamen.

Seit 2002 erscheinen ihre literarischen Arbeiten in Zeitschriften, seit 2006 in Buchform. Sie lebt und arbeitet in der Wiener Josefstadt und ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung.

VDie Josefstadt und das Schreiben nebenbei

Sie lebt und arbeitet in der Wiener Josefstadt, dem achten Bezirk, einem der kleinsten der Stadt. Für ein Autorinnenporträt ist eine Adresse normalerweise belanglos. Hier steht sie, weil sie zum Muster passt: Ein großer Teil des Wiener Literaturbetriebs spielt sich in wenigen innenstadtnahen Bezirken ab, fußläufig zu den Häusern, in denen gelesen wird.

Das zweite Muster ist das Tempo. Drei Bücher zwischen 2006 und 2018 bedeutet, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Roman neun Jahre liegen. Solche Lücken sind im österreichischen Literaturbetrieb normal und werden trotzdem selten ausgesprochen.

Wer sie erklären will, muss nicht nach Schreibblockaden suchen. Ein Betrieb, der von den wenigsten leben lässt, produziert Biografien mit langen Pausen, und eine Pause ist dort kein Scheitern, sondern eine Erwerbsarbeit.

Der Weg über die Literaturzeitschriften hält in solchen Jahren die Verbindung. Dum, Wienzeile und &Radieschen nehmen kurze Texte, und kurze Texte lassen sich neben einem Beruf fertigstellen.

VVeröffentlichungen

Die folgende Liste führt die drei Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens. Der erste Titel kam 2006 in einem anderen Haus heraus als die beiden folgenden, was bei österreichischen Autorinnen eher die Regel als die Ausnahme ist: Kleine Verlage kommen und gehen, und eine Autorenbiografie bildet diese Wechsel ab, ohne dass eine Absicht dahinterstünde.

  • Schlaflos, Roman, VIZA edit., 2006
  • Am Tiefpunkt genial, Roman, 2015
  • Horak hasste es, sich zu ärgern, 2018

?Häufige Fragen

Was hat sie vor der Literatur gemacht?

Zehn Jahre Musikjournalismus, und 1993 die Gründung der Jazz-Zeitschrift Jazz & More.

Wie viele Romane liegen vor?

Drei Bücher: Schlaflos (2006), Am Tiefpunkt genial (2015) und Horak hasste es, sich zu ärgern (2018).

Wo hat sie zuerst veröffentlicht?

Seit 2002 in Literaturzeitschriften, unter anderem Dum, Wienzeile und &Radieschen.

Schreibt sie noch journalistisch?

Der Musikjournalismus liegt hinter ihr. Literarisch veröffentlicht sie seit 2002, in Buchform seit 2006.