Gegenwartsliteratur aus ÖsterreichWien

Autoren

Österreichische Autorinnen und Autoren der Gegenwartsliteratur: Porträts und Übersicht

Drei ausgearbeitete Porträts, und der Versuch, über Schreibende zu schreiben, ohne ihr Leben zur Erklärung ihrer Bücher zu machen.

IDie Porträts

  1. Katharina Johanna Fernergeboren 1991 in SalzburgProsa, Lyrik
  2. Erika Kronabittergeboren 1959Lyrik, Prosa, bildende Kunst
  3. Karoline Cvancarageboren 1974 in WienProsa

IIWas ein Porträt österreichischer Autorinnen und Autoren leisten kann

Über österreichische Autorinnen und Autoren wird gern in zwei Modi geschrieben. Der eine ist die Preisliste: Stipendien, Nominierungen, Auszeichnungen, aneinander gereiht, bis die Person hinter der Aufzählung verschwindet. Der andere ist die Legende, in der ein Umzug, eine Krankheit oder eine Kindheit das Werk erklären soll.

Beides ist hier nicht das Ziel. Ein Porträt hält fest, was nachprüfbar ist: wann und wo jemand geboren wurde, was studiert wurde, in welchen Feldern gearbeitet wird, was erschienen ist. Das klingt trockener, als es liest, und es hat den Vorteil, in fünf Jahren noch zu stimmen.

Wo eine Autorin außerhalb der Literatur arbeitet, steht das dabei, weil es ihre Arbeit beschreibt und nicht, weil es ihre Bücher deuten soll. Erika Kronabitter arbeitet mit Malerei, Video und Fotografie, und das ist eine Tatsache über ihr Werk, keine Fußnote zu ihren Texten.

IIIDie Gegenwartsliteratur und ihre Wege hinein

Wer in Österreich Bücher schreibt, hat das selten von Anfang an getan. Unter den drei Porträtierten ist eine, die zehn Jahre Musikjournalismus hinter sich hat und eine Jazz-Zeitschrift gegründet hat, bevor der erste Roman erschien. Eine andere hat Slawistik studiert und schreibt Rezensionen, während sie an eigenen Texten arbeitet.

Das ist für die österreichische Gegenwartsliteratur eher die Regel als die Ausnahme. Ein Literaturbetrieb dieser Größe trägt kaum jemanden allein, und die Folge sind Biografien mit Brüchen, Umwegen und Parallelberufen. In den Porträts steht das deshalb ausdrücklich drin und nicht zwischen den Zeilen.

Auffällig ist, wie viele Wege über Literaturzeitschriften führen. Namen wie DUM, &Radieschen oder Wienzeile tauchen in mehreren Lebensläufen auf, lange bevor ein Buch erscheint. Wer verstehen will, wie österreichische Autorinnen und Autoren sichtbar werden, schaut dorthin und nicht auf die Verlagsvorschauen.

IVÜbersicht: wer hier steht und warum

Katharina Johanna Ferner, geboren 1991 in Salzburg, steht hier als die jüngste der drei und als jemand, der das Schreiben und das Besprechen von Büchern parallel betreibt.

Erika Kronabitter, geboren 1959, steht hier, weil ihre Arbeit über Bücher hinausgeht: Lyrik, Prosa, bildende Kunst, dazu die Arbeit als Herausgeberin und Organisatorin eines Lyrikpreises.

Karoline Cvancara, geboren 1974 in Wien, steht hier als Beispiel für den Weg über den Journalismus, und weil zwei Romane von ihr vorliegen.

Jedes Porträt schließt mit den Veröffentlichungen, die sich eindeutig zuordnen lassen, mit Titel, Form und Jahr. Aufgeführt ist dort, was in Buchform vorliegt, dazu die Zeitschriften, in denen Texte erschienen sind.

Diese Übersicht wächst, wenn sich zu weiteren Schreibenden genug Belegbares findet. Eine Übersicht ist dabei kein Verzeichnis: sie soll einordnen und nicht zählen. Sie wächst nicht dadurch, dass Einträge dünner werden.

VWas in diesen Porträts nicht steht

Drei Dinge fehlen hier absichtlich. Erstens Fotos: Aufnahmen von Personen gehören denen, die sie gemacht haben, und es liegen keine vor, die verwendet werden dürften. Ein Porträt ohne Bild ist unvollständiger, aber es ist keines, das jemandem etwas wegnimmt.

Zweitens vollständige Preis- und Stipendienlisten. Solche Aufzählungen sind fast immer veraltet, und eine unvollständige Liste liest sich wie eine Wertung, die niemand vorgenommen hat. Genannt wird, was eine Arbeitsweise beschreibt.

Drittens Privates. Wo jemand wohnt, steht hier nur, wenn es die Arbeit betrifft, etwa weil eine Autorin in einer Stadt veranstaltet oder herausgibt. Familienstand, Gesundheit und Beziehungen kommen nicht vor, auch dann nicht, wenn sie sich recherchieren ließen.

Diese drei Auslassungen haben denselben Grund. Über österreichische Autorinnen und Autoren zu schreiben, die noch leben und weiterarbeiten, verlangt eine andere Zurückhaltung als über abgeschlossene Werke. Die Porträts sollen in zehn Jahren noch stimmen und niemanden ärgern, der sie über sich selbst liest.

?Häufige Fragen

Warum stehen hier erst drei Porträts?

Weil zu diesen drei genug Nachprüfbares vorliegt. Ein Porträt, das im Wesentlichen aus Vermutungen besteht, nützt niemandem und schadet der porträtierten Person.

Warum fehlen Auszeichnungen und Stipendien weitgehend?

Weil solche Listen schnell unvollständig und damit falsch sind. Genannt wird, was die Arbeit beschreibt, nicht was sie dekoriert.