Gegenwartsliteratur aus ÖsterreichWien

Porträt

Katharina Johanna Ferner: Leben, Arbeit und Veröffentlichungen

Eine Autorin, die das Schreiben und das Besprechen von Büchern parallel betreibt, und die beides früh begonnen hat.

IHerkunft und Ausbildung

Katharina Johanna Ferner wurde 1991 in Salzburg geboren und lebt seit 2009 überwiegend in Wien. Dort hat sie ihren Bachelor in Slawistik mit Schwerpunkt Russisch abgeschlossen und anschließend Deutsch als Fremd- und Zweitsprache im Master studiert.

Diese Kombination ist für eine Autorin ungewöhnlich und erklärt einiges an ihrer Arbeitsweise. Wer zwei Sprachsysteme nebeneinander studiert und danach unterrichtet, wie eine Sprache erworben wird, geht anders mit Sätzen um als jemand, der über Literatur allein gekommen ist.

IISchreiben und Besprechen nebeneinander

Ferner schreibt eigene Texte und rezensiert zugleich die Bücher anderer, unter anderem für das Österreichische Bibliothekswerk und für die Literaturzeitschrift &Radieschen. Beides parallel zu betreiben ist im deutschsprachigen Literaturbetrieb verbreiteter, als es von außen wirkt.

Ihre eigenen Texte sind in Anthologien und Literaturzeitschriften erschienen, darunter SIGNUM, &Radieschen und Miromente. Das ist der übliche Weg: Wer in Österreich veröffentlicht, taucht meist jahrelang in Zeitschriften auf, bevor ein Buch erscheint.

2009 gewann sie den Preis Wir lesen uns die Münder wund, 2015 war sie für den Literaturpreis Wartholz nominiert.

IVDer Weg über die Zeitschriften

Der Lebenslauf zeigt exemplarisch, wie Sichtbarkeit im österreichischen Literaturbetrieb entsteht. Zuerst Wettbewerbe und Preise für Einzeltexte: 2009, im Jahr des Umzugs nach Wien, der Preis Wir lesen uns die Münder wund. Dann Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Erst danach ein Buch.

Zwischendurch die Nominierung für den Literaturpreis Wartholz 2015, einen Preis für Nachwuchsautorinnen und Nachwuchsautoren, der im selben Jahr liegt wie der Roman.

Dass sie parallel rezensiert, unter anderem für das Österreichische Bibliothekswerk, gehört zu diesem Weg dazu. Rezensionsarbeit ist in einem kleinen Betrieb eine der wenigen Tätigkeiten rund um Literatur, die überhaupt bezahlt werden, und sie hält gleichzeitig den Kontakt zu Redaktionen. Wer wissen will, warum so viele Schreibende auch besprechen, findet hier die ökonomisch schlichte Antwort.

VZwei Sprachen, zwei Blickrichtungen

Slawistik mit Schwerpunkt Russisch auf der einen Seite, Deutsch als Fremd- und Zweitsprache auf der anderen: Das sind zwei entgegengesetzte Blickrichtungen auf dasselbe Problem. Im einen Fall lernt man eine fremde Sprache von außen, im anderen bringt man die eigene Sprache jemandem bei, für den sie fremd ist.

Wer beides gemacht hat, verliert zwangsläufig die Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Deutschen. Eine Formulierung, die man hundertmal erklärt hat, ist nicht mehr einfach da, sie hat eine Konstruktion.

Sichtbar wird das nicht als Thema, sondern als Aufmerksamkeit. Der Titel des Romans über Anatolij Petrowitsch, der Moskau den Rücken kehrt und beinahe eine Revolution auslöst, verrät schon den russischen Gegenstand; das Interesse an dieser Welt kommt nicht von ungefähr.

Für die Einordnung ihrer Arbeit heißt das: Hier schreibt jemand, der Sprache von zwei Seiten kennt und aus beiden Richtungen etwas mitgenommen hat. Das ist selten genug, um es zu erwähnen, und zu wenig, um daraus eine Deutung ihrer Texte zu machen.

VVeröffentlichungen

Die folgende Liste nennt, was in Buchform und in Zeitschriften vorliegt. Sie ist bewusst kurz gehalten und führt keine Einzelbeiträge auf: Wer seit den späten Nullerjahren regelmäßig in Anthologien und Literaturzeitschriften erscheint, sammelt Dutzende Nachweise an, von denen die meisten für eine Einordnung nichts beitragen. Genannt sind deshalb das Buch und die Titel der Zeitschriften, in denen Texte erschienen sind.

  • Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste, Roman, 2015
  • Texte in SIGNUM, &Radieschen und Miromente

?Häufige Fragen

Was hat sie veröffentlicht?

Einen Roman, 2015, dazu Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften.

Schreibt sie auch über andere Bücher?

Ja, Rezensionen unter anderem für das Österreichische Bibliothekswerk und für &Radieschen.

Gibt es ein Porträtfoto?

Nein. Hier liegt keines vor, das verwendet werden dürfte.

Warum rezensieren viele Autorinnen auch selbst?

Weil Rezensionsarbeit zu den wenigen Tätigkeiten rund um Literatur gehört, die in einem kleinen Betrieb bezahlt werden, und weil sie den Kontakt zu Redaktionen hält.